ORBAYU

A Personal Challenge Inspired by Mentors

 

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Der Picu Urriellu (oder Naranjo de Bulness auf Spanisch) ist der bedeutendste Gipfel unter den Picos de Europa, einem Gebirgsmassiv im Norden Spaniens. An der 500 m hohen orange leuchtenden Westwand dieser Felsformation verläuft die mythische Route Orbayu (8c), eine Abwandlung der alten Technoroute Mediterráneo (6a+/A3). Die zwei Routen treffen sich in der fünften Seillänge, die für beide die Schlüssellänge ist.

 

Ich habe bereits viele Geschichten von der Route gehört, insbesondere von Iker und Eneko Pou, die 2009 als erste den Aufstieg der Orbayu gemeistert haben. Die gemeinhin als die „Hermanos Pou“ bekannten Brüder sind langjährige Freunde von mir und für mich als professionellen Kletterer geschätzte Mentoren. Seit ich sie 2013 bei einer Veranstaltung kennenlernte, haben wir auf verschiedenen Expeditionen gemeinsam fantastische Momente erlebt. Mit ihrer ansteckenden Energie spornen sie dich an, dich anzustrengen und an deine Grenzen zu gehen. So war es auch bei mir. Zum Teil waren sie es, die mich im letzten Jahr inspiriert haben, einige der mythischsten Kletterrouten der Welt in Angriff zu nehmen. Als ich mir eine Liste für dieses Projekt erstellte, landete die Orbayu schnell unter den Top Five. Meine Liste war natürlich einschüchternd: Wer war ich denn, mir diese weltberühmten Routen zum Ziel zu setzen? Doch als ich den Pou-Brüdern davon berichtete, dass ich mich dieses Jahr an die Orbayu wagen wollte, drang ein Schwall von Begeisterung durch mein Telefon. Dass sie meinen Fähigkeiten derart vertrauten, motivierte mich zusätzlich, es durchzuziehen. Mehr Unterstützung hätte ich mir nicht wünschen können.

 

Es ist jedoch nicht nur die Schwierigkeit, die den Mythos der Route ausmacht. Es ist die erforderliche Sicherung, die das Abenteuer noch größer macht. Die zusätzliche Herausforderung, während der schwierigen Züge noch traditionelle Sicherungen zu platzieren, war für mich überaus verlockend. Selbst nach der Schlüssellänge, wenn du bereits alle „großen Nummern“ hinter dich gebracht hast, ist Vorsicht geboten, da du anschließend noch über ein Meer aus Kalkstein entlang der ursprünglichen Technoroute steigst. Ich habe Geschichten von Menschen gehört, die hier die Orientierung verloren haben, von Runouts ohne Sicherungsmöglichkeit und von Ausrüstung, die wie von Geisterhand abhandengekommen ist. Das Ganze schrie also förmlich nach Abenteuer.

 

 

Als wir Anfang Juli 2020 hoch zum Fuß der Wand wanderten, machten wir Bekanntschaft mit dem echten Orbayu. Damit ist in diesem Fall nicht die Route, sondern der feuchte, regenartige Nebel gemeint, der im lokalen Sprachgebrauch „Orbayu“ genannt wird. Der Orbayu machte seinem Ruf alle Ehre: Für die erste Seillänge hatten wir nur etwas mehr als 8 Meter Sicht und kletterten ungeschützt an aufregendem lockeren Gestein. Diese Kombination brachte mich in den Flow – das vor uns liegende Kletterabenteuer konnte kommen!

 

Meine Kletterpartner waren Ignacio Mulero und David Lopez Campe (der das Ganze mit der Kamera begleitete). Zusammen arbeiteten wir uns langsam mit fixierten Seilen zur Schlüsselstelle vor. Vor der Seillänge konnte ich eine Route aus „burriles“, Felshaken, Copperheads und Klemmkeilen ausmachen. Ich fragte mich, wie es sein würde, so schwierige Züge mit dieser unbekannten, möglicherweise unzureichenden Sicherung zu klettern. Als ich mich von einem lockeren Felshaken zum nächsten Klemmkeil bewegte und mich dabei in jede einzelne Sicherung hängte, nahmen sowohl meine Freude als auch meine Angst zu.

 

Zunächst fühlte es sich so an, als käme ich nur langsam voran. Ich stürzte mehr als 20 Mal ab, als ich die Schlüsselzüge probierte. Ich wusste, dass ich mehrere Anläufe brauchen würde, um das richtige Gefühl zu entwickeln. Iker und Eneko hatten mich davor gewarnt, wie scharfkantig der Fels sein würde: „Es ist brutal. Du wirst dich viel ausruhen müssen und unten im Dorf das gute asturische Essen genießen”, sagten sie. Trotz dieser weisen Worte und der Ratschläge von Campe und Mulero, meine Haut zu schonen, war ich motiviert und auch zu stur und kletterte in unserer ersten Woche an sechs von sieben Tagen, wobei ich mich an vier Tagen ausschließlich der Schlüsselstelle widmete. Aus Rücksicht auf meine Haut unternahm ich nur zwei Versuche am Tag, doch das Essen im Dorf musste warten, auch wenn ich mit drei, vier aufgerissenen, mit Tape abgeklebten Fingern kletterte.

 

 

An den Abenden im Refugio Urriellu sprachen wir bei einem Bier über die Züge, die Sicherung, unsere Fortschritte und auch über unsere Frustration. All das fand auch Einzug in mein Orbayu-Tagebuch. Irgendwann war jedoch die Zeit für eine richtige Pause gekommen. Ich musste mich ausruhen und meine Haut behandeln. Außerdem war es an der Zeit, uns den Bauch mit den asturischen Spezialitäten vollzuschlagen, die der kleine Ort Arenas de Cabrales zu bieten hatte. Hier trafen wir uns auch mit Iker and Eneko.

 

Es ist jedes Mal eine wahre Freude, das baskische Duo wiederzutreffen, das so energiegeladen und immer für einen Spaß zu haben ist! Als ich den beiden von meinen Fortschritten und meiner Durchstiegsstrategie erzählte, machten sie sich über meine Ungeduld lustig. Sie gaben mir (wieder einmal) zu verstehen, dass ich meine Herangehensweise ändern musste: weniger Tage, aber mit mehr Haut. Ich befolgte ihren Ratschlag und erst nach drei Ruhetagen kletterten wir wieder nach oben. Während wir uns der Schlüsselstelle näherten, ging ich innerlich immer wieder die entscheidenden Züge durch. Ich konnte die Griffe in jeder Fingerspitze fühlen und stellte mir vor, wie einfach es sein würde. Ich fühlte mich stark und sicher ohne Tape. Obwohl ich mir zugetraut hätte, die Orbayu gleich „ground-up“ zu versuchen, jümarten wir zur Schlüsselstelle hinauf, um unsere Kletterschuhe und Seile zu holen, die wir am Standplatz gelassen hatten. An dem Tag machte ich einen Versuch zum Aufwärmen und schaffte es, die Schlüssellänge mit nur einer Pause am Seil zu klettern. Ich war aber schlau genug früh aufzuhören und fragte Mulero, ob er nicht Lust hätte, am nächsten Tag den Durchstieg zu versuchen. Es galt keine Haut zu „verschwenden“!

 

In der Nacht wurde ich von Albträumen über die Schlüsselzüge in den Seillängen weiter unten heimgesucht. Ich war nervös. Am Morgen gelang es mir jedoch, mich zu beruhigen. Es war schließlich nur der erste „Ground-up“-Versuch. Aufgeregt war ich trotzdem. Um 8:30 Uhr kletterte ich die erste Seillänge. Bei dem kalten, windigen Wetter, das den „Orbayu“ (Nebel) weichen ließ, klappte der Aufstieg wunderbar. Campe und Mulero störten mich nicht in meiner Konzentration und ermutigten mich, auf meine Kraft zu vertrauen. Als ich an der Schlüsselstelle ankam, war ich ganz munter und fühlte ich mich besser denn je. Ich war aufgewärmt und meine Haut befand sich noch in einem guten Zustand, da ich bis hierhin mit vier getapten Fingern geklettert war. Wie immer war ich ungeduldig: Nach nur einer halben Stunde war ich bereit, einen Versuch zu wagen.

 

 

Ich kletterte flink wie eine Katze und konnte mit nur einer getapten aufgerissenen Fingerspitze jeden Griff hervorragend fühlen. Mir schossen alle möglichen Gedanken durch den Kopf: Ich stellte mir sogar vor, wie ich diesen Aufstieg mit Sidra und leckerem Cachopo feiern würde. Ich meisterte alle vierzehn Schlüsselzüge auf einmal und legte dann noch eine ungemütliche Pause ein. Nun stand der letzte Abschnitt mit harten Bizeps-Zügen und offenen Griffen an, der viel Ausdauer forderte. Alles lief glatt, ich musste nur einen kühlen Kopf bewahren. Ich setzte den letzten Zero Friend 0,75 und kletterte das Schlussstück bis zum Standplatz, wo Campe auf mich wartete. Das war der bisher beste Topout: Ich konnte den gesamten Prozess, angefangen von der Frustration und Konzentration bis hin zu meiner großen Freude direkt mit jemandem teilen. Manche sagen, dass sie es unangenehm fänden, bei einem Projekt die ganze Zeit gefilmt zu werden. Für mich war Campe schlicht und einfach Teil des Teams, des Prozesses und auch des Ziels. Nach einer weiteren schwierigeren Seillänge ließen wir unsere Fixseile zurück und kletterten in einer Dreierseilschaft zum Gipfel hinauf. Das abenteuerliche Meer aus Kalkstein war wirklich das Sahnehäubchen.

 

Es war ein fantastisches Gefühl, das erste Mal auf diesem mythischen Gipfel zu stehen, nachdem ich eine der härtesten Mehrseillängen-Routen Europas geklettert war. Ich war ganz überrascht, dass am Ende alles so schnell vorbei war. Doch ich wusste auch, dass das Ganze ohne die Unterstützung von Campe, Mulero, Iker und Eneko sowie die der örtlichen Klettergemeinde nicht möglich gewesen wäre. Eine ganz wesentliche Rolle spielte dabei das Refugio Urriellu.  Das Personal kennt die Routen und die Story zu jedem Aufstieg und bringt trotz der erforderlichen Anpassungen an COVID-19 alle für ein paar Bier und Geschichten zusammen. Das Refugio schafft eine Gemeinschaft aus leidenschaftlichen und hilfsbereiten Kletterern, die für mich direkt an die Begeisterung der Pou-Brüder anknüpft. Eine Gemeinschaft, die dich erkennen lässt, wie wichtig die Klettergemeinde und die Mentoren sind, die uns selbst für die anspruchsvollsten Routen das nötige Selbstvertrauen geben.

 

Stage 3- Mont Gaussier

Steep, short, chipped again, but great routes! Being a parent and a climber usually means that you will be happy no matter what you climb on, as getting to put our hands on the rock is already a treat!

 

Here we chose a secret spot next to the lake. Although not on the topo, it was really convenient with the baby. Going local definitely has its advantages as we knew most of the secret spots, or can ask and figure out what would be ok for a one-year-old!

 

Stage 4-  Orgon

We drove along the Alpilles, and even if my love remains with climbing, I can see how biking is also an incredible way to be out! The Alpilles that we always overlooked from a car are a beautiful chain of little mountains!

 

Orgon is such a big crag that it has a full topo for itself. We could have stayed there for two months before knowing it all. We settled for the little spot of "la Bergerie" which we didn't yet know. Chipped routes, as always in Orgon, but interesting in the 8th grade! James did an 8c+, and I an 8b. La Bergerie is a perfect place for a baby as he could play all day at the foot of the crag. 

 

Stage 5- Fetid Beach

Fetid beach is an unknown spot, even from the locals. Even on the Grimper online, there is only a location, but the grades are often marked on the route names.  The place is incredibly beautiful, but the routes are in a very demanding style with mono and two-finger pockets. Maybe the Frankenjura isn't that different, but we found it really painful.

 

 

Written by Siebe Vanhee

Photo by David Lopez Campe

 

Stage 6- Buoux

We stayed four days at the "Auberge des Seguins," which is a perfect location to go to the crags on foot. They even let us take our dinners outside by the bedroom while the baby was already in Bed. Buoux doesn't need any publicity. It is a unique, incredible crag, and there is a reason for its Fame. Buoux is a Must visit". No matter what your level is, you will find a gem to climb!

 

Stage 7- Mouries

Mouries is a long way from Buoux, and we had initially planned some extra stops. But the heatwave had begun, and the other planned spots were not as exciting. So, instead of climbing stops, we biked for two days, visited an abandoned troglodyte village (les grottes de cales), and loved it!

 

Mouries again is an old lady, and if you can get away from requiring extremely tough grades and enjoy the technical climbing, you will love it. Mouries is a climbing lesson in itself.

 

 

Stage 8- Fontvieille secret crag

I can't tell you the secret crags, as they are secret because they aren't technically allowed. To find them you have to ask as you meet climbers on your previous days and if you are lucky they may tell you the secrets! France is full of them, and sometimes these are the best crags!

 

We arrived back home after 25 days of traveling and climbing. It wasn't always restful, but then living with a baby is never restful! Every day brought us load of discoveries, from a wild tortoise to incredible pains au chocolates, to meeting an old friend. Baby Arthur loved it. The minute we stepped back in the house, he was pointing again at the window, asking, "where next?" For James and me, we finish this adventure delighted to have realized that we still have so much left to explore, and it is all less than 100km from our home. This bike and climb trip is only the first!