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A LITTLE SOMETHING CASUAL

by Wade Morris

  

6.5 minute read

 

 

Am 4. August 2020 brachen Wade Morris und sein Partner Stefan Griebel den Geschwindigkeitsrekord an The Diamond, der Ostwand des Longs Peak im Rocky Mountain National Park in Colorado. Das Duo bewältigte die Strecke, gemessen ab und bis zu ihrem Auto, in 3 Stunden und 54 Minuten und brach damit den bisherigen Rekord von 3 Stunden und 59 Minuten, der vor über zwanzig Jahren von Dean Potter aufgestellt wurde.

 

Für Morris und Griebel ist der neue Geschwindigkeitsrekord ein Beleg für ihre Entschlossenheit und das krönende Ergebnis unzähliger an der Wand verbrachter Stunden, um die Feinheiten jeder einzelnen Seillänge zu erkunden und schnell simultan zu erklettern.

Wir haben uns mit Wade und Stefan getroffen, um mehr über dieses Erlebnis zu erfahren.

 

Wild Country

Erzählt uns doch bitte etwas über die Geschichte der Route und einige bemerkenswerte Aufstiege.

 

Wade

Die Casual Route (5.10) hieß ursprünglich Integral Route und wurde erstmals 1977 von den Colorado-Legenden Duncan Ferguson und Chris Reveley bestiegen. 1978, also ein Jahr später, wagte Charlie Fowler die Route im Alleingang und nannte die Besteigung „a casual day in the mountains“ – einen unbeschwerten Tag in den Bergen. Seit diesem historischen Solo wird sie nur noch die „Casual Route“ genannt.

Es war nicht einfach, Informationen über Dean Potters Soloaufstieg zu finden, aber ein Freund von mir, Bill Wright, hat inoffizielle Aufzeichnungen über Besteigungen in Colorado geführt, die mehrere Jahrzehnte zurückreichen. Seinen Notizen zufolge absolvierte Dean die Strecke hin und zurück zunächst zusammen mit einem Partner in etwa 5 Stunden, sowie kurze Zeit später solo in 3 Stunden und 59 Minuten. Das war im Jahr 1999, und seit damals gilt Deans Rekord als die schnellste bekannte Zeit.

 

 

Wild Country

In welchem Stil seid ihr die Route geklettert, um den Geschwindigkeitsrekord zu erreichen?

 

Wade

Dean kletterte die Route im Alleingang, daher benötigte er keine Seile oder Ausrüstung – während wir beschlossen, die Route simultan zu klettern. Wir wussten, dass Dean schneller war als zwei Kletterer, die sich gegenseitig sichern, und ein wirklich schneller simultaner Aufstieg war die einzige Möglichkeit, seinen Rekord zu brechen. Stefan und ich hatten während der Kletterei immer mindestens zwei Sicherungen zwischen uns. Andere klettern The Diamond normalerweise in sieben oder acht Seillängen, wir hingegen in einer.

 

Stefan

Wir bezeichnen die Casual Route gern scherzhaft als die beste Einseillänge an The Diamond.

 

Wild Country

Erzählt uns vom Tag des Aufstiegs. Wie habt ihr euch an dem Morgen gefühlt?

 

Wade

Eine Woche vor dem Rekordversuch kletterten Stefan und ich die Strecke in etwas mehr als vier Stunden – wir wussten an dem Morgen also, dass der Rekord machbar war. Wir mussten uns einfach ein wenig mehr anstrengen und unsere Übergänge sauber hinbekommen. Wir hatten unsere Klettergurte bereits angelegt und verließen den Ausgangspunkt des Weges um 8 Uhr morgens.

Ein guter Start ist entscheidend, denn der Hinweg ist steil und lang. Es kann dabei sehr leicht passieren, dass die Herzfrequenz zu schnell in die Höhe geht und man dann für den Rest des Tages erledigt ist. Während der Laufstrecke achte ich immer sehr genau auf meine Körpersignale.

Sobald wir an der Wand ankamen, begann der leichte Teil – was für manche überraschend klingen mag. Für erfahrene Kletterer ist die Casual Route unkompliziert und sie bietet nach dem Laufen eher eine willkommene Abwechslung. Wir befanden uns nur 45 Minuten lang in der Wand.

Der schwierigste Teil sind dabei wohl die letzten hundert Meter bis zum Gipfel, denn dabei spürt man die Wirkung der Höhe auf den Körper wirklich stark. Wir erreichten den Gipfel in 2 Stunden und 57 Minuten – und wir wussten, dass wir den Abstieg vom Berg in weniger als einer Stunde schaffen konnten.

 

 

Wild Country

Was unterscheidet diesen Geschwindigkeitsrekord von anderen?

 

Stefan

Zunächst einmal haben wir die Zeit ab und bis zu unserem Auto gemessen – „car to car“, wie man das hier in Colorado nennt. Keine Ahnung warum, aber in Yosemite zum Beispiel werden Geschwindigkeitsrekorde nur vom Fuß bis zum höchsten Punkt der Kletterroute gemessen. Dadurch sind Geschwindigkeitsrekorde in Colorado eher ein Multisport-Abenteuer, was denjenigen zugute kommt, die sowohl schnelle Läufer als auch starke Kletterer sind.

 

Wade

Wir haben diesen Geschwindigkeitsrekord nicht wirklich angestrebt: Der Zeitfortschritt kam einfach dadurch zustande, dass wir eine Route gefunden hatten, die uns Spaß macht und die wir sehr oft geklettert sind. Ich würde mich nicht als superschnellen Läufer oder als Top-Kletterer bezeichnen – aber dadurch, dass wir diese eine Route wirklich gut erkundet hatten, konnten wir auf den Geschwindigkeitsrekord hinarbeiten. Ich glaube, dass dieser Rekord vor allem zeigt, dass jeder eine Bestmarke aufstellen kann, wenn er bereit ist, genügend Zeit in das Projekt zu investieren.

 

 

Die Route ist eine 7 Seillängen lange 8b und 6 Monate nach der Geburt meines Babys dachte ich: Wenn ich sie schaffe, ist sie wie ein Diplom dafür, dass ich als Kletterin zurück bin. Als ich die Route auswählte, wurde ich allmählich wieder fit und hatte gerade einen Rhythmus gefunden, wie ich auch mit Baby etwas trainieren und schlafen konnte. Fitness ist jedoch nicht alles, ich brauchte auch Konzentration, Einsatz und den Willen, so eine Route durchzuziehen. Als junge Mutter erlebte ich, dass sich der Fokus meines Lebens komplett verändert hatte. Jede Sekunde am Tag war ein Teil meines Gehirns mit dem Kleinen beschäftigt: Braucht er irgendetwas? Ist er in Gefahr? Als Baby Arthur 6 Monate alt war, konnte ich keinen ganzen Text schreiben, kein Buch lesen, mich nicht konzentrieren. Ich war quasi hinter der Verantwortung als Mutter verschwunden. Doch ich hoffte, dass ich mein voll funktionsfähiges Gehirn zurückbekommen würde – wie auch meine nicht mehr vorhandenen Bauchmuskeln.

 

 

Die Route ist eine 7 Seillängen lange 8b und 6 Monate nach der Geburt meines Babys dachte ich: Wenn ich sie schaffe, ist sie wie ein Diplom dafür, dass ich als Kletterin zurück bin. Als ich die Route auswählte, wurde ich allmählich wieder fit und hatte gerade einen Rhythmus gefunden, wie ich auch mit Baby etwas trainieren und schlafen konnte. Fitness ist jedoch nicht alles, ich brauchte auch Konzentration, Einsatz und den Willen, so eine Route durchzuziehen. Als junge Mutter erlebte ich, dass sich der Fokus meines Lebens komplett verändert hatte. Jede Sekunde am Tag war ein Teil meines Gehirns mit dem Kleinen beschäftigt: Braucht er irgendetwas? Ist er in Gefahr? Als Baby Arthur 6 Monate alt war, konnte ich keinen ganzen Text schreiben, kein Buch lesen, mich nicht konzentrieren. Ich war quasi hinter der Verantwortung als Mutter verschwunden. Doch ich hoffte, dass ich mein voll funktionsfähiges Gehirn zurückbekommen würde – wie auch meine nicht mehr vorhandenen Bauchmuskeln.

 

Geschrieben von Wade Morris

Fotos von Brian Szymanski 

 

Die Route ist eine 7 Seillängen lange 8b und 6 Monate nach der Geburt meines Babys dachte ich: Wenn ich sie schaffe, ist sie wie ein Diplom dafür, dass ich als Kletterin zurück bin. Als ich die Route auswählte, wurde ich allmählich wieder fit und hatte gerade einen Rhythmus gefunden, wie ich auch mit Baby etwas trainieren und schlafen konnte. Fitness ist jedoch nicht alles, ich brauchte auch Konzentration, Einsatz und den Willen, so eine Route durchzuziehen. Als junge Mutter erlebte ich, dass sich der Fokus meines Lebens komplett verändert hatte. Jede Sekunde am Tag war ein Teil meines Gehirns mit dem Kleinen beschäftigt: Braucht er irgendetwas? Ist er in Gefahr? Als Baby Arthur 6 Monate alt war, konnte ich keinen ganzen Text schreiben, kein Buch lesen, mich nicht konzentrieren. Ich war quasi hinter der Verantwortung als Mutter verschwunden. Doch ich hoffte, dass ich mein voll funktionsfähiges Gehirn zurückbekommen würde – wie auch meine nicht mehr vorhandenen Bauchmuskeln.

 

 

Die Route ist eine 7 Seillängen lange 8b und 6 Monate nach der Geburt meines Babys dachte ich: Wenn ich sie schaffe, ist sie wie ein Diplom dafür, dass ich als Kletterin zurück bin. Als ich die Route auswählte, wurde ich allmählich wieder fit und hatte gerade einen Rhythmus gefunden, wie ich auch mit Baby etwas trainieren und schlafen konnte. Fitness ist jedoch nicht alles, ich brauchte auch Konzentration, Einsatz und den Willen, so eine Route durchzuziehen. Als junge Mutter erlebte ich, dass sich der Fokus meines Lebens komplett verändert hatte. Jede Sekunde am Tag war ein Teil meines Gehirns mit dem Kleinen beschäftigt: Braucht er irgendetwas? Ist er in Gefahr? Als Baby Arthur 6 Monate alt war, konnte ich keinen ganzen Text schreiben, kein Buch lesen, mich nicht konzentrieren. Ich war quasi hinter der Verantwortung als Mutter verschwunden. Doch ich hoffte, dass ich mein voll funktionsfähiges Gehirn zurückbekommen würde – wie auch meine nicht mehr vorhandenen Bauchmuskeln.

 

 

Wild Country

Was macht die Besteigung von The Diamond für euch persönlich so besonders?

 

Wade

The Diamond ist für jeden nordamerikanischen Alpinisten, der etwas auf sich hält, ein idealer Ort, um das eigene Können auf die Probe zu stellen. Deshalb ist der Reiz, die verschiedenen Routen der Wand zu erklettern, sehr groß. Sie ist wirklich nur von Ende Juni bis Anfang August kletterbar, man muss also fit und bereit sein, während dieses kurzen Zeitfensters aufzusteigen. Durch den langen Hinweg und die große Höhe gestaltet sich das Klettern noch schwieriger, zudem ist das Gebiet berüchtigt für sein schlechtes Wetter. All diese Faktoren zusammengenommen machen jede erfolgreiche Besteigung von The Diamond zu einer echten Errungenschaft.

 

Wild Country

Wann habt ihr erstmals daran gedacht, einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die Strecke aufzustellen?

 

Wade

Ironischerweise war der Geschwindigkeitsrekord gar nicht wirklich geplant. Zu Beginn des Sommers hatte ich eine Verletzung am Ringband meines Fingers und mein Arzt riet mir, das Klettern auf moderaten Strecken zu üben. Also bin ich die Casual Route recht oft mit verschiedenen Freunden geklettert. Ich wurde immer vertrauter mit der Strecke, und als sich mein Finger schließlich besser anfühlte, kletterte ich sie immer schneller. Bei meiner 6. Sommerrunde schaffte ich die Route gemeinsam mit Stefan Griebel in knapp über 4 Stunden, und da haben wir sozusagen beschlossen, dass der Geschwindigkeitsrekord in greifbarer Nähe lag. Nach diesem Aufstieg entschieden wir uns, offiziell einen neuen Rekord zu versuchen.

 

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Die Route ist eine 7 Seillängen lange 8b und 6 Monate nach der Geburt meines Babys dachte ich: Wenn ich sie schaffe, ist sie wie ein Diplom dafür, dass ich als Kletterin zurück bin. Als ich die Route auswählte, wurde ich allmählich wieder fit und hatte gerade einen Rhythmus gefunden, wie ich auch mit Baby etwas trainieren und schlafen konnte. Fitness ist jedoch nicht alles, ich brauchte auch Konzentration, Einsatz und den Willen, so eine Route durchzuziehen. Als junge Mutter erlebte ich, dass sich der Fokus meines Lebens komplett verändert hatte. Jede Sekunde am Tag war ein Teil meines Gehirns mit dem Kleinen beschäftigt: Braucht er irgendetwas? Ist er in Gefahr? Als Baby Arthur 6 Monate alt war, konnte ich keinen ganzen Text schreiben, kein Buch lesen, mich nicht konzentrieren. Ich war quasi hinter der Verantwortung als Mutter verschwunden. Doch ich hoffte, dass ich mein voll funktionsfähiges Gehirn zurückbekommen würde – wie auch meine nicht mehr vorhandenen Bauchmuskeln.

 

Wir sprechen mit Wade und Stefan um zu erfahren wie es zu alledem kam.