Ich bin in einer Familie von Kletterern im nördlichen Norwegen aufgewachsen, wo die Berge mein Spielplatz waren. Seit ich denken kann, ist Sport ein Teil meines Lebens. Doch es ist mehr als nur ein Sport, es ist ein Lebensstil. Von alltäglichen Abenteuern hin zu Wochenenden, Urlaub, Auslandstrips: Das Klettern hat immer dazugehört und ich werde wohl immer von einem freien Leben als Kletterer ohne festen Job träumen. Gleichzeitig liebe ich meinen Alltag, die Arbeit, das Studium und eine „normale“ Routine. Das ist ein guter Ausgleich. Es sorgt außerdem dafür, dass ich die Belohnung, nach draußen zu kommen, noch mehr genieße. Daher ist es wichtig, einen Wohnort zu finden, wo ich in der Nähe der Berge bin und ein „normales“ Leben haben kann. In gewisser Weise sind die Lofoten so zu meinem Zuhause und dem Spielplatz im Hinterhof geworden, von dem ich geträumt habe.
Um ehrlich zu sein, waren die Lofoten nicht immer der Plan, doch nachdem aus meinem Traum in der Oberschulzeit, ein Jahr im Ausland zu reisen, zu klettern und Ski zu fahren, nichts wurde, realisierte ich, dass die Lofoten – nur 5 Autostunden von meiner Heimat entfernt – perfekt für mich sind. In diesem ersten Jahr habe ich mich so sehr in die Natur und die Atmosphäre verliebt, dass ich nur einmal ins Ausland gereist bin. Danach kehrte ich jeden Sommer für zwei bis drei Monate zurück, um hier während des Studiums zu arbeiten und zu klettern. Doch nach diesem ersten Jahr träumte ich nicht mehr nur davon, diese Wände, Klippen und Boulder zu besuchen, sondern sie mein Zuhause zu nennen.
Im Juli 2020 stellte ich während meines jährlichen Besuchs fest, dass alle meine Kurse aufgrund von COVID-19 online stattfinden würden. Ich packte die Gelegenheit beim Schopfe und zog in ein Haus in Henningsvær, in direkter Nähe zu einigen der besten Kletterrouten der Lofoten. Und während ich es vermisse, im Winter zu reisen, um bei wärmeren Temperaturen klettern zu können, kann ich jetzt jeden Tag klettern, sofern das Wetter es zulässt. Und es motiviert mich, alle vier Jahreszeiten erleben zu können. Mit dem sich verändernden Wetter kann ich meine Kletterschuhe gegen Eispickel und Ski eintauschen und mich dabei auf den Sommer, Klippen, Sportklettern und Bouldern freuen. Die Möglichkeiten hier sind endlos und selbst während eines zweiwöchigen Urlaubs könntest du jeden Tag in fußläufiger Entfernung von Henningsvær in verschiedenen Disziplinen klettern. Doch bei so vielen Optionen möchte ich dir einige Tipps geben, insbesondere für Tradklettern und Bouldern, um dir bei der Planung deines Trips hierher zu helfen.
Leichter Zugang beim Klettern:
Es gibt hier sehr viele Routen und Risse, hauptsächlich Festgestein mit einer Seillänge bis hin zu großen Wänden. Du wirst hier also definitiv unvergessliche Kletterrouten finden. Und auch wenn die meisten Kletterer eine Runde an der berühmten Geita drehen wollen, dem ziegenähnlichen Berg über Svolvær, wird es hier sehr voll, besonders im Juli, wenn du zum Klettern anstehen musst. Ich könnte hier trotzdem die Routen _Forsida u_nd Englevinger empfehlen, aber ich habe noch andere Vorschläge, damit du mehr Zeit mit dem Klettern verbringen kannst.
- Gandalf Wall: Dieses Gebiet befindet sich in der Nähe der Straße und dem Zeltplatz mit demselben Namen und bietet mit Routen von (5-) bis (8+) einen einfachen Einstieg ins Klettern auf den Lofoten. Es kann hier recht voll werden, doch mit fünf _Top 50-_Kletterrouten lohnt sich ein Besuch hier dennoch!
- Gebiet Festvåg: Dieses Gebiet besteht aus zwei Klippen, Festvåg und Lille Festvåg, und ist weniger überlaufen als andere. Dies sind die zwei Risse, die sich am nächsten zum Ort und direkt unter der Gandalf Wall und dem Zeltplatz befinden. Hier findest du Routen zwischen (3) und (7a). Lundeklubben (6a+) ist eine hervorragende Option für ein weniger überlaufenes Warmup.
- Sportklettern: Wenn du ein Fan von Sportklettern bist, darfst du auf keinen Fall Eggum verpassen. Hier findest du Routen von (5+) bis (8b) in verschiedenen Kletterstilen und es ist außerdem ein gutes Kletterziel bei Regen!
Lange Mehrseillängenrouten:
- Storpillaren (7): Eine wirklich schöne und längere Kletterroute mit einem noch längeren Abstieg. Diese 450-500 m lange Kletterroute bietet alles, was du dir an einem Tag in den Bergen wünschst: perfekte steile Risse zum Stemmen, Traversen und Kamine. Bei Storpillaren hast du wirklich das Gefühl, an einer großen Wand zu klettern!
- Vestpillaren Direct (6): Das ist ein absoluter Klassiker in Presten, den ich jeden Sommer wiederhole! Ich habe hier verschiedene Routen gemacht, doch diese Linie bietet dir in jeder Hinsicht ein erstklassiges Klettererlebnis! Ich empfehle, dass du ein doppeltes Set an #0,4-#2 Friends mitbringst und von 0,5 sogar drei.
- Nordryggen (4+): Das ist mein liebster alpiner Klettersteig auf den Lofoten, besonders in diesem Schwierigkeitsgrad. Ich empfehle, am späten Nachmittag zu starten, damit du in der Abendsonne klettern kannst. Wenn du dich sicher genug zum Simultanklettern fühlst, empfehle ich das für diesen Kamm, außer bei den drei (4+) Seillängen, um Zeit zu sparen. Nimm ein einfaches Set Cams und Nüsse, ein leichtes Seil und viele 60 cm Schlaufen mit. Für eine wirklich einzigartige Erfahrung solltest du einen Schlafsack mitbringen und die Nacht auf dem Vågakallen verbringen. Am Morgen wirst du mit einem fantastischen Ausblick aufwachen, bevor du wieder hinabsteigst.
Insider-Tipp zur Zeitplanung der Klassiker: Wenn du die beliebte Route Vestpillaren auf Present oder Bare blåbær, in Djupfjorden, klettern möchtest, empfehle ich einen späten Start. Das widerspricht meiner Vorliebe für sehr frühe Starts, aber die meisten Leute brechen früh am Morgen auf, um als Erstes dran zu sein. Doch alle drei Routen liegen in der Abendsonne, bei einem späten Start kannst du also bei wunderschönem Licht am Abend klettern.
Bouldern:
Es gibt 24 verschiedene Boulder-Gebiete auf den Lofoten, es kommt also sicher keine Langeweile auf. Für mich ist die Abwechslung zwischen Bouldern und langen Trad-Routen ideal zum Klettern an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen. Es folgen ein paar meine liebsten Gebiete.
- Stem Bastesen – In dieser Region gehe ich am häufigsten bouldern. Hier findest du eine große Auswahl von etwa 60 Bouldern, von einfacher Schwierigkeit bis hin zu einigen der schwersten Boulder der Lofoten wie Springflo (8b). Meine Favoriten sind hier Roof Reach (6C), Tare Baby (7c) und Sunshine (8a+)
- Presten Boulder – Hier findest du fast 100 Boulder mit einfacher Schwierigkeit und einige hervorragende schwere Boulder. Einer meiner Favoriten ist ein absoluter Klassiker, den du unbedingt machen musst: Presten Roof (7a+).
- Finnvika – Dieses Gebiet ist weniger überlaufen, aber trotzdem ein tolles Ziel zum Bouldern, Sportklettern und Campen!Es gibt etwa 50 Boulder mit den Schwierigkeitsstufen (4) bis (7C+). Mein Favorit ist der Ben Moon Boulder – Flour Power (7a+) – einfach perfekt, wenn du steiles Klettern an kleinen Crimps liebst.
Kletterführer:
Es gibt nur einen Kletterführer für Trad- und Sportklettern auf den Lofoten. Er heißt Lofoten Climbs von Thorbjørn Enevold und Chris Craggs und ist auf Englisch erhältlich. Einige der Sportkletterrouten sind neu, ich empfehle daher, dich auf 27crags zu informieren. Zum Bouldern nutze ich Bouldering in Lofoten von Jonas Paulsson und neuere Boulder findet man ebenfalls auf 27crags.
Ausrüstung:
Du solltest immer eine doppelte Ausstattung an Friends mitbringen; die dreifache von 0,5 Friends ist hilfreich. Ich empfehle außerdem ein Set von kleinen Zero Friends, da die Platzierungen variieren können. Zudem habe ich immer eine Wind- und eine Daunenjacke dabei. Wir sind hier im Norden und man weiß nie, wann es kalt und windig wird.
Klettersaison:
Für reines Felsklettern ist ein Besuch zwischen Juni und September empfehlenswert. Die beliebtesten Monate sind Juli und August. In dieser Zeit liegen die Temperaturen zwischen 9 und 25 °C, was perfekt zum Klettern und für Granit ist. Von Mitte Mai bis August geht die Sonne nicht komplett unter, sodass du 24 Stunden Tageslicht genießen kannst.
Schlafplätze:
Die beliebtesten Zeltplätze sind in der Nähe der Gandalf Wall und in Kalle. Beide befinden sich fußläufig zu einigen der bereits erwähnten Routen, die du unbedingt machen musst, und haben ihre individuellen Vorteile. Wenn du in der Nähe von Gandalf zeltest, erreichst du Henningsvær zu Fuß und kannst dort etwas essen, dir zwischen den Klettereinheiten ein Bier oder ein Eis gönnen. In Kalle werden dir neue Toilettenanlagen und Duschen sowie ein wunderschöner kleiner Strand in der Nähe des Campingplatzes geboten. Unabhängig davon, wo du zeltest, denke daran, dass die Lofoten ein betriebsamer Touristenort sind, wo viele Menschen in der Natur unterwegs sind. Also trage bitte deinen Teil dazu bei, dass sie wunderschön bleiben und verlasse deinen Zeltplatz immer so, wie du ihn vorgefunden hast, oder noch besser, räume auch Müll von anderen auf.
Essen, trinken und lokale Kletterer treffen:
Nach einem langen Klettertag schmeckt nichts besser als ein Bier und ein Burger in Henningsvær. Ich empfehle Klatrekafeen, wo du sicher auf andere Kletterer triffst und ihr euch über eure Erfolge des Tages austauschen oder beisammen sitzen, Geschichten lauschen oder Live-Musik hören könnt. Wenn das Wetter schön ist, solltest du unbedingt in Trevarefabrikken eine Pizza essen, wo du die Mitternachtssonne genießen und die ganze Nacht tanzen kannst!