Stell dir vor, du bist Kletterfan und lebst in Deutschland: Du arbeitest die ganze Woche und freust dich auf eine Kletterpartie am Wochenende. Der Wetterbericht sieht hervorragend aus. Nun stellt sich nur noch die Frage, wohin es gehen soll und was genau du machen möchtest. Für den Großteil der deutschen Kletter-Community ist die Antwort schnell gefunden: „Lasst uns ins schöne Frankenjura fahren, die gute regionale Küche genießen und ein paar der beliebtesten und legendärsten Routen der Welt probieren!“
Das Frankenjura ist ein ganz besonderer Ort: Es ist meine Heimat, hier wurde ich geboren, hier bin ich schon geklettert, als ich noch klein war. Dennoch frage ich mich jede Woche aufs Neue: „Welchen der 900 Felsen werde ich als Nächstes besuchen?“ Dabei überlege ich, welche klassische Route mir noch fehlt oder wo ich Inspiration für eine neue Linie finden könnte. Die Anzahl der Felsen scheint unendlich zu sein, und es gibt unzählige kleine Abschnitte, sodass es nie langweilig wird. Jedes Mal, wenn ich meine, schon alles gesehen zu haben, taucht etwas Neues auf, was erklettert und entdeckt werden will. Die schier unendlichen Möglichkeiten sind auch der Grund, warum dieser Ort so besonders für mich ist.
Es gibt nur eine Sache, die ich am Frankenjura merkwürdig finde. Ich kann nicht verstehen, wieso so viele Kletterer hierher kommen und immer wieder in denselben Abschnitten klettern, obwohl es doch so viele Möglichkeiten gibt. Ich frage mich: Mögen sie einfach den lupenreinen Felsen oder ist es etwas anderes, das dieses seltsame Phänomen befeuert? Es geht sogar so weit, dass so mancher klassischer Kletterspot völlig überfüllt ist, während 90 Prozent der Abschnitte leer sind und zunehmend verschmutzen.
Damit du dieses Gebiet auch ohne Menschenmassen genießen kannst, möchte ich dir meine besten Geheimtipps für das Frankenjura verraten.
Da es wohl zu viel wäre, alle aufzulisten, kommt hier eine Auswahl:
Verborgene Kletter-Kleinode:
- Hätzerkirche: Ein netter Spot mit steilen und schwierigen Kletterpassagen. Besteht aus etwa acht Routen von (7a) bis (8c+), von denen viele circa 20 Meter lang sind.
- Zauppenberger Wand: In den Tiefen der Wälder verborgen findet sich dieser 25 Meter lange Felsen, der in seiner Mitte ein großes Dach aufweist. Er setzt sich aus zehn Routen von (6b) bis (8b+) zusammen. Hier warten einige fantastische Projekte darauf, in die Tat umgesetzt zu werden.
- Eibgrat: Besteht aus zwei Felsen, die sich an den beiden Seiten des gleichnamigen Klettergebiets befinden. Der Fels an der Südseite zeichnet sich durch einfache Routen von (5) bis (7a) aus. An der Nordseite finden sich lange Routen zwischen (7a) und (9a).
- Bleisteinwand: Diese 25 Meter hohe, frisch abgesicherte Wand zeichnet sich durch herrliche Wand- und Risspassagen zwischen (6a) und (7a+) aus.
- Egloffsteiner Felsentor: Diese Wand bietet Routen, die vor allem in den Bereichen (5) bis (6) liegen, und ist mit ihren 40 Metern für Frankenjura-Standards hoch. Mit den frisch abgesicherten Routen ist sie ideal zum Sportklettern.
- Folterkammer: Inmitten des Krottenseer Forsts befindet sich dieser beliebte mittelgroße Fels, der eine große Bandbreite an Boulderrouten von (6a) bis (8b+) bietet.
- Grundfels: Dieser ganz im Osten des Frankenjuras gelegene Fels ist perfekt für harte Linien. Auf der linken Seite finden sich einige Routen im Bereich (6b), während die Hauptwand viele Juwelen zwischen (7c) und (8c) bietet.
- Clubbwall: Ein kleiner versteckter Spot in herrlicher Umgebung. Hier findest du Routen an einwandfreiem Fels zwischen (7a) und (8b+).
Kletterführer:
Ich empfehle den Kletterführer Frankenjura von Sebastian Schwertner. Im Sommer wird die neue Ausgabe mit neuen und vergessenen Ecken herauskommen! Die App der Seite frankenjura.com ist auch hilfreich und immer auf dem neuesten Stand. Für ausländische Kletterfans ist der Kletterführer von Ulrich und Harald Röker zu empfehlen, der auch einige englische Übersetzungen enthält, damit die Spots einfacher zu finden sind.
Ausrüstung:
Mit Blick auf die Ausrüstung kann man im Frankenjura alles finden, was das Herz begehrt. Am meisten sieht man klassisches, gut abgesichertes Sportklettern – allerdings nicht die ein Meter hohen Bolt Ladders, die man mitunter an Spots in Frankreich antrifft. Im Frankenjura setzen Kletterer Bohrhaken für den ersten Anstieg. Jeder entscheidet also selbst, wie gesichert die Route sein soll. Zudem sieht man hier eine große Palette an Techniken, angefangen vom Anfängerklettern mit vielen Bohrhaken bis hin zum Oldschool-Stil mit spärlich gesetzten Bolts. Möchtest du ältere Routen klettern, ist ein Satz Klemmkeile durchaus empfehlenswert und manchmal auch notwendig.
Klettersaison:
Die besten Jahreszeiten zum Klettern im Frankenjura sind der Frühling und der Herbst, wenn es noch trocken, aber noch nicht so warm ist. Man kann hier aber auch das ganze Jahr über klettern. Im Winter haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, uns hinter so manchem Lowball-Boulderproblem vor Kälte und Schnee zu verstecken. Im Sommer hingegen klettern wir leichtere Routen, bei denen es weniger auf die Haftung ankommt. Wir streifen auch einfach nur durch die Wälder, um neue Projekte für die Zeit zu finden, wenn es wieder kühler ist.
Schlafplätze:
In den vergangenen Jahren kam es vermehrt zu Ärger zwischen wilden Campern und ortsansässigen Landwirten. Aus dem Grund empfehle ich, sich einen Platz auf einem der Campingplätze vor Ort zu suchen. Als Klassiker unter Kletterern gelten der Campingplatz Bärenschlucht direkt unterhalb des berühmten Felsens, der Zeltplatz Gute Einkehr in Morschreuth und der berühmt-berüchtigte Zeltplatz Oma Eichler in Untertrubach.
Wer sich etwas mehr Komfort wünscht, kann am Ort seiner Wahl auch leicht eine schöne Ferienwohnung finden. Für das ultimative Frankenjura-Feeling empfehle ich einen Besuch der zentral gelegenen Orte Egloffstein und Gößweinstein. Manche der unten stehenden Gaststätten vermieten auch schöne Zimmer. Essen, trinken und lokale Kletterer treffen
Das Frankenjura ist für seine Biere und Gerichte wie Schäufele und Forelle fränkischer Art bekannt. Überall finden sich lokale Brauereien und Wirtshäuser. Wo es sich einzukehren lohnt:
- Held Bräu in Oberailsfeld
- Gasthof Seitz in Bernheck
- Gasthof zum Signalstein in Hundsdorf
- Gasthof Mühlhäuser in Wannbach